Burnout

„Druck formt Diamanten“, sagte mein erster Chef.
Als erfolgreicher, selbstbestimmter Mann wollen wir alles im Griff haben, alles selbst bewältigen, super performen.
Die Annahme fremder Hilfe sehen wir oft als Eingeständnis eigener Schwäche. Wenn wir unser Pensum nicht schaffen, legen wir häufig eine Schippe drauf, machen mehr von Demselben. Je weniger geht, desto mehr strengen wir uns an.
Wenn aber die Arbeitsspitze zur Dauerbelastung wird, deine work life balance baden geht, kann dies zur körperlichen und mentalen Erschöpfung, zum Burnout führen, denn:
„Nach fest, kommt locker“ - Nichts geht mehr.
Was ist ein Burnout?
Burnout ist ein Zustand emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung, der durch chronischen Stress im Beruf oder auch in anderen Lebensbereichen verursacht wird.
Typischerweise tritt Burnout auf, wenn man über längere Zeit hohe Anforderungen an sich selbst stellt oder chronischem Druck ausgesetzt ist, ohne ausreichend Erholung und Entspannung.
Gerade in der Lebensphase zwischen dem 30. und 40. Lebensjahren, wenn Karriere, Familiengründung und ggf. Hausbau zusammenfallen ("social rushhour"), ist die Gefahr einer Überforderung besonders groß.

Das Tückische ist dabei, dass sich ein Burnout in der Regel schleichend entwickelt, oft über Monate oder gar Jahre und er leicht mit „normalem Stress“ verwechselt wird.
Im schlimmsten Fall kann ein Burnout zur völligen Arbeitsunfähigkeit oder sogar zum Suizid führen.
Wer ist besonders gefährdet?

Perfektionisten, Idealisten, Karrieristen, … sind Burnout Kandidaten!
Wenn du ...
- immer tadellose Ergebnisse abliefern-, immer glänzen willst (Perfektionist),
- für deinen Job "brennst", du hohe Werte und Ideale hast (Idealist),
- "hoch hinaus willst" (Karrierist),
- ein hohes Verantwortungsbewußtsein hast (Altruisten),
- ein harmoniebedürftiger Menschen bist, selten „NEIN“ sagst, …
… dann bist du für einen Burnout prädestiniert!
In diesen Fällen ist deine innere Motivation so hoch, bzw. deine Abgrenzung so gering, dass du Gefahr läufst, die leisen, subtilen Signale der Überforderung deines Körpers zu überhören.
Ein schönes Bonmot:
Sprach der Kopf zum Körper: „Sag´s du ihm, auf mich hört er nicht!“
Zu den besonders gefährdete Berufsgruppen zählen:
Lehrer, Ärzte, Rettungsdienst, Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Führungskräfte, Selbständige, Polizisten, Feuerwehrleute, Militär.
Burnout Symptome
Es gibt eine lange Liste von unspezifischen Symptome, die auf einen Burnout hinweisen können:
- Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Mattigkeit, Schwächegefühl, Abgeschlagenheit
- Psychosomatische Symptome (Übelkeit, enge Brust, Atembeschwerden, Kopf- und Muskelschmerzen, besonders im Rücken und Nacken)
- Schlafprobleme, Müdigkeit schon am Morgen
- Kognitive Überforderung, verringerte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsprobleme
- Verminderte Produktivität und Motivation
- Getrenntsein vom eigenen Leben, von der Arbeit
- Gefühle, überwältigt zu sein, nicht zurecht zu kommen
- Unzufriedenheit mit sich selbst; das Gefühl, nicht genug zu sein
- Geistige Distanziertheit
- Empathieverlust, soziale Isolation
- Negative Einstellung, Zynismus zum Beispiel im Job
- Verlust von Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit, gedrückte Stimmung
Die Liste zeigt, dass alle Bereiche der Person (der Körper, Geist und Seele) von einem Burnout betroffen sein können.
Was hat Autofahren mit einem Burnout zu tun ?

Wie oben bereits geschildert, wird ein Burnout durch anhaltenden Stress ohne ausreichende Erholung / Entspannung verursacht.
Das heißt aber im Umkehrschluss, dass man durch ausreichende Erholung und Entspannung ein Burnout verhindern kann.
Es geht also um die Balance von Aktivität und Regeneration, von Arbeit und Freizeit.
Dies möchte ich am Beispiel eines einfachen Fliessgleichgewichtes verdeutlichen:

Wenn Regeneration < Verausgabung => Burnout
Der Inhalt des gezeigten Gefäßes, das deinen Körpers symbolisiert, möge die dir zur Verfügung stehende Energie, dein Energiestatus sein.
Solange der Zufluß zum Gefäß gleich hoch ist wie der Abfluss aus dem Gefäß, ändert sich dein Energiestatus nicht, du bist im Gleichgewicht.
Sobald aber der Zufluss (deine Regeneration) kleiner als der Abfluß (deine Verausgabung) wird, leert sich – früher oder später - das Gefäß vollständig (!), deine Energie ist erschöpft, „der Tank ist leer“.
Die Analogie von Autofahren und Burnout ist klar:
Wir können nur fahren / aktive sein, wenn wir ausreichend Energie in der Batterie / bzw. im Körper haben!
Und: je weiter und schneller wir fahren / je aktiver wir sind, desto mehr / häufiger müssen wir "auftanken"!!!
Burnout Prophylaxe
Was kannst du also tun, um einem Burnout vorzubeugen? Es gibt drei Ansatzpunkte für die Burnout-Prophylaxe:
1. Ansatzpunkt: Reduktion deines (Arbeits-) Stresses
Hier gibt es die „klassischen“ Empfehlungen zur Reduktion von Stress besonders bei der Arbeit im Sinne einer Verringerung der Arbeitsmenge und / oder eine Verlangsamung der Arbeitsgeschwindigkeit (mehr Zeit zur Bearbeitung, spätere deadlines).
Dazu zählen:
-
- in Teilzeit arbeiten
- Delegation von Arbeit
- Priorisierung der Arbeit
- die Pareto Regel (80/20) anwenden, habe „Mut zur Lücke“
- bewusst Pausen planen und einlegen !!!
- neue Tools nutzen, die deine Arbeit erleichtern (KI)
- „Arbeitshygiene“ – klare Trennung von Arbeit und Privatem, besonders wenn du remote arbeitest.
In der Praxis sind den Möglichkeiten, Stress bei der Arbeit zu reduzieren, allerdings häufig enge Grenzen gesetzt, etwa wenn es aus ökonomischen Gründen eben nicht möglich ist, in Teilzeit zu gehen, oder wenn ein wichtiger Auftrag für deine Firma schnellstmöglich bearbeitet werden muss.
2. Ansatzpunkt: Erhöhung deiner Regeneration
Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von einfachen und praktikablen Möglichkeiten, wie du deine Regeneration fördern kannst. Damit erhöhst du automatisch deine Resilienz.
Die Anwendung von Entspannungstechniken führt zu einer Reduktion von Stress.
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- Tiefes Atmen
- Achtsamkeitsübungen
- Progressive Muskelentspannung
- Autogenes Training
- Body-mind Praktiken: Yoga, Tai Chi, Qigong, Pilates
- Meditation
- Trauma and Tension Release Exercisis (TRE) – Stress und Spannung „ausschütteln“ (D. Bercelli, 2015)
- …
Übrigens: „low effort activities“ (Chillen, Abhängen, Fernsehen, …) sind kaum erholsam!
- Ausdauersportarten, wie Laufen, Radfahren, Schwimmen, Rudern, etc. senken den Cortisolspiegel im Blut. Zusätzlich werden bei körperlicher Betätigung Endorphine und Serotonin ausgeschüttet, die deine Stimmung aufhellen.
- Aufenthalt und Bewegung in der Natur, wie Spazierengehen, Wandern, Fahrrad fahren, Waldbaden, wirken nachgewiesenermaßen deutlich beruhigender auf dein Nervensystem als wenn du dich in der Stadt bewegst.
- Ausreichend Schlafen, mindestens 7 Stunden pro Tag. Bei schlechter Schlafqualität solltest du ihn durch einen geregelten Schlafrhythmus und Maßnahmen der Schlafhygiene verbessern.
- Von zentraler Bedeutung ist ein stärkendes soziales Umfeldes. In der Familie, der Partnerschaft, bei Freunden oder in einem Verein erfährst du Akzeptanz, Zusammenhalt, Unterstützung, Leichtigkeit und Lebensfreude. Hier zählst du als Mensch und nicht als Funktions- bzw. Leistungsträger.
- Die Reduktion von Reizen ist wichtig, um am Abend „abschalten“ zu können, siehe oben. „Digital diet“ ist angesagt, die Begrenzung des Konsums sozialer Medien, TV oder von Videospielen.
3. Ansatzpunkt: Was macht den Stress zum Stress?
Was stresst Dich?
Stress ist etwas sehr Individuelles. Er entsteht über die faktischen Herausforderungen hinaus auch durch deine Bewertung und deine Einstellungen. Hier liegt weiteres Potential, deinen Stress zu verringern und einem Burnout vorzubeugen.
Der erste Schritt für eine weitere Bearbeitung ist daher die Identifikation deiner individuellen Stressoren, d.h., welches sind deine stress-auslösenden Situationen bzw. Reize.
Wenn diese erkannt sind, können sie bearbeitet werden.
Hast du negative Glaubenssätze?
Glaubenssätze sind übernommene Überzeugungen über das Leben im Allgemeinen und über dich selbst im Besonderen. Glaubensätze haben wir gewöhnlich von unseren Eltern oder von unserem kindlichen Umfeld übernommen. Sie können explizit ausgesprochen - oder situativ „verstanden“ worden sein. Dabei gibt es positive Glaubenssätze, die dich stärken und unterstützen („Das schaffst du schon!“), aber auch negative Glaubenssätze, die dich einschränken („Das kannst du nicht!“).
Ein möglicher Glaubenssatz könnte zum Beispiel lauten: „Nur wenn ich mich anstrenge, immer Alles gebe, werde ich geliebt“. Wer einen solchen Glaubenssatz hat, wird sich im Beruf und in der Beziehung immer anstrengen, um ein positives Echo vom Chef oder der Partnerin zu bekommen. Dann besteht der Stress nicht nur in den äußeren Umständen, sondern in deinem inneren Zwang, immer super performen zu „müssen". Damit steigt natürlich die Gefahr, dass du deine Leistungsgrenze permanent überschreitest und einem Burnout entgegen gehst.
Glaubenssätze lassen sich überschreiben!
Hast du einen „Familienauftrag“ im Gepäck?
Je nachdem, wie hoch, wie anspruchsvoll deine Karriereziele sind, mußt du dich mehr anstrengen, besser performen, als wenn du weniger anspruchsvolle berufliche Ziele verfolgst.
Nicht selten haben wir mehr oder weniger geheime „Familienaufträge“ im Gepäck. Das sind Erwartungen von unserem Umfeld, seien es die unserer Eltern oder unserer Partnerin an uns, bspw. an unser Einkommen, den akademischen Titel, an deinen sozialen Status, etc.. Dann strengst du dich an, den Erwartungen deines Umfeldes zu entsprechen.
Wenn wir nicht überprüfen, ob diese Erwartungen mit unseren persönlichen Zielen übereinstimmen, werden wir fremdbestimmt und verlieren unsere ureigenen, uns erfüllenden Lebensziele aus dem Auge.
Es macht in jedem Fall Sinn, regelmäßig - beispielweise einmal jährlichen – deine persönlichen (Lebens-) Ziele zu überprüfen, um dir klar zu werden, ob sie noch stimmig sind, oder ob jetzt andere Ziele „dran“ sind.
Familienaufträge können „zurückgegeben“ werden.
Kannst du Nein sagen?
Vielleicht bist du ein harmoniebedürftiger Mensch, ein people pleaser, ein nice guy, für den es häufig unerträglich ist, wenn sein Umfeld schlecht drauf ist oder gar sauer auf dich ist? Das führt natürlich dazu, dass du sehr schnelle gewillt bist, Bitten, Anfragen, Aufträge, sofort zu übernehmen, auch wenn du eigentlich schon voll ausgelastet oder sogar über dem Limit bist.
Hier gilt es die Fähigkeit zu stärken und zu üben, dich abzugrenzen und NEIN sagen zu lernen. Vielleicht machst du sogar eine neue Erfahrung, nämlich, dass du nicht abgelehnt wirst, wenn du Nein sagst.
Das NEIN zu einer Anfrage ist ein JA zu dir!
Ungelöste Konflikte sind Stress!
Unausgesprochene, schwelende Konflikte, ob im Job oder in der Familie, binden emotionale Energie und müssen mit viel Kraft verdrängt werden, um die „Contenance“ zu bewahren, damit sie nicht (explosiv) an die Oberfläche kommen. Die nötige „Verdrängungs-Energie“ steht nicht mehr für konstruktive Aktivitäten zur Verfügung.
Daher macht es Sinn, ungelösten Konflikte anzusprechen und auszuräumen. Das entspannt deine Lebenssituation und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Burnouts.
Gerade bei der Bearbeitung der subjektiven Seiten des Stresses, deinen Bewertungen und Einstellungen, ist es hilfreich, sich einen kompetenten Gesprächspartner zu suchen, der dich auf deinem Weg zu mehr Verständnis, Klarheit und deiner Neubewertung unterstützt.