Wann ist Stress schädlich?

Take-home:
Wenn wir dafür sorgen, dass wir uns nach Stressereignissen wieder vollständig erholen, hat Stress auch langfristig keine negativen Folgen.
Ohne vollständige Erholung summiert sich jedoch der Stress und wird zu chronischem Stress, die Ursache für einen Burnout.

Stress ist eine durch einen äußeren oder inneren Reiz (Stressor) hervorgerufene physische und psychische Reaktion, die uns befähigt, besonderer Herausforderungen zu bewältigen. Stress ist also erstmal eine positive, äußerst hilfreiche und sogar lebensnotwendige Sache.

Zu den äußeren Stressoren können zählen u.a.: hohe Arbeitsbelastung, starker Zeitdruck, unklare Erwartungen, zwischenmenschliche Konflikte, mobbing, ständige Erreichbarkeit, Lärm, Verkehr, Menschenmengen, aber auch kritische Lebensereignisse wie Verlust oder Trennung, Umzug, Kündigung, Jobwechsel, Hochzeit, Geburt eines Kindes, finanzielle Sorgen, …

Innere Stressoren können u.a. sein: hohe Ansprüche an sich selbst, Angst vor Fehlern oder Versagen, negative Gedanken, geringes Selbstwertgefühl sowie körperliche Stressoren wie Schlaf- und Bewegungsmangel, Hunger, Krankheiten oder Schmerzen.

Das Diagramm, dass Stress erklären soll besteht aus einem Koordinatensystem mit den Achsen "Anforderung" und "Fähigkeiten". Wenn die Anforderungen deutlich höher als die Fähigkeiten sind, diese zu erfüllen, entsteht Überforderung, die Ursache für Stress bzw. Disstress. Wenn jedoch die Anforderungen in etwa gleich hoch sind, wie die Fähigkeiten kann es zum flow oder Eustress kommen.

Ob ein Ereignis in uns Stress auslöst, ist dabei sehr individuell und hängt von unserer Bewertung ab, nämlich ob wir das Gefühl haben, ausreichende Mittel und Fähigkeiten zu besitzen, die anstehenden Herausforderungen bzw.  Anforderungen zu bewältigen oder ob wir eher denken, der Situation nicht gewachsen zu sein.

Bei dieser Einschätzung spielen alte, vergangene Erfahrungen und Glaubenssätze eine wichtige Rolle. 

Eustress vs. Distress

Wenn wir das Gefühl haben, dass wir ausreichend Fähigkeiten besitzen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern, können wir sogar in einen Flow kommen, der uns beflügelt und innerlich sehr befriedigend ist, da wir kreativ, handlungsfähig, selbstwirksam, „potent“ sind. Wir sprechen dann von positivem Stress oder Eustress.

Kommen wir aber zu dem Schluss, dass wir die Herausforderungen mit unseren zur Verfügung stehenden Mitteln nicht meistern werden, startet die Stressreaktion, wir sprechen dann von negativem Stress oder Distress.

Die Stressreaktion

Die Stressreaktion ist ursprünglich eine archaische Anpassungsreaktion an eine Gefahrensituation mit dem Ziel der Überlebenssicherung. Dabei wird der Sympathicus-Nerv (Aktivitäts-Nerv) des autonomen Nervensystems aktiviert, der unsere gesamte Aufmerksamkeit auf die Gefahrensituation lenkt und uns zusätzliche Energie zum Kampf oder zur Flucht bereitstellt. Dazu setzt der Körper verschiedene Hormone frei (Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin), die zu der Aktivierung unseres Körpers führen.  

Wenn wir die Gefahrensituation durch Kampf oder Flucht beseitigt - und wir die zur Verfügung gestellte Energie verbraucht haben, springt der Parasympathicus (Ruhe-Nerv) unseres autonomen Nervensystems wieder an, die Stressreaktion ist abgeschlossen. Wir kommen wieder in unser inneres Gleichgewicht.

Eine abgeschlossene Stressreaktion hat keinerlei negative Folgen für uns!      

Üblicherweise ist es in unserem (Arbeits-) Alltag jedoch „nicht zielführend“, die Stresssituation durch Kampf oder Flucht zu bereinigen, wir sollten tunlichst weder den Chef verprügeln, noch aus dem Meeting fliehen. Wir können daher in der Regel die zur Verfügung gestellte Energie nicht durch körperliches Agieren abbauen.

Wenn wir aber die bereitgestellte Energie nicht abbauen, bleibt unser Körper in einem dauerhaften Alarmzustand. Der Sympathicus bleibt aktiviert, der Cortisol Gehalt im Blut bleibt erhöht. Dies führt zu chronischem Stress.