Konstruktiv streiten in Beziehungen

Take-home:
Konstruktiv gelöste Streitigkeiten entspannen Dich, vertiefen deine Beziehungen und bereichern dein Leben. Im Kern geht es um eine mutige und ehrliche Kommunikation über deine Bedürfnisse und Wünsche ohne Vorwürfe (!!!) und Forderungen an dein Gegenüber.
Du übernimmst die volle Verantwortung für deine Emotionen.

  1. Der Mensch ist ein soziales Wesen
    Auch wenn der Trend in unserer Gesellschaft immer stärker zur Individualisierung geht, ist und bleibt der Mensch ein soziales Wesen. In der Begegnung mit anderen Menschen, dem Partner, der Familie, den Freunden aber auch den Kolleginnen und Kollegen erfährst du im besten Fall Unterstützung, Verständnis, Verbundenheit, Gemeinschaft und letztendlich, wer du selbst bist.
    Beziehungen können bereichernd, beglückend und sinngebend sein, sie können aber auch zur Quelle zermürbender Auseinandersetzungen und Zerwürfnisse werden.

Deine Kompetenz, Beziehungen aktiv zu gestalten, trägt maßgeblich zu einem stress-ärmeren und erfüllteren Leben bei.

 Streit ist etwas Normales und gehört zum Leben
Streit ist immer ein Beziehungskonflikt. In einem Streit geht es in der Regel um (unausgesprochene) Erwartungen, die vom deinem Gegenüber (Partner, Freund, Kollege, Chef, …) nicht erfüllt werden oder in Paarbeziehung um die Ausbalancierung der Bedürfnisse nach Bindung und Autonomie.
Es kann nicht darum gehen, Beziehungskonflikte zu vermeiden, weder in der Familie noch im Job, sondern darum, einen Streit konstruktiv zu führen. Denn schwelende Auseinandersetzungen binden emotionale Energie für die Verdrängung, damit du im emotionalen Gleichgewicht bleibst. Wir sollten uns ehrlich machen, wenn uns ein Konflikt berührt, "anfaßt", uns Kraft raubt. Das „Weglächeln“ eines Beziehungskonfliktes oder die Rationalisierung „der Klügere gibt nach“ hilft vielleicht, unsere Fassade nach außen hin aufrecht zu erhalten, lässig, unbeeindruckt, cool zu wirken. Aber es hilft uns nicht, die damit verbundenen Emotionen zu verarbeiten bzw. aufzulösen.
Es geht also darum eine Auseinandersetzung konstruktiv und achtsam zu führen, ohne das Gegenüber abzuwerten, es zu verletzen oder es zu verurteilen.
Konstruktiv gelöste Auseinandersetzungen lassen dich entspannen und deine Beziehungen wachsen, egal ob in einer Ehe / Paarbeziehung, im Job oder in deinem privaten Umfeld.

Der destruktive Streit
Üblicherweise bestehen Streitigkeiten in einem oder mehreren Vorwürfen, die wir unserem Gegenüber machen, worauf unser Gegenüber seinerseits mit Vorwürfen kontert. Ein Vorwurf sagt im Grunde aus, dass unser Gegenüber dafür verantwortlich ist, dass es uns schlecht geht. Die Lösung des Beziehungskonfliktes liegt - aus unserer Sicht logischerweise darin- dass unser Gegenüber sein Verhalten ändert, damit es uns besser geht.
Wir machen uns damit zum Opfer und unser Gegenüber zum Täter. Das „Charmante“ ist daran, dass wir uns nicht verändern brauchen, sondern nur unser Gegenüber. Damit geben wir aber gleichzeitig unsere Handlungskompetenz, unsere Selbstwirksamkeit ab.

Der konstruktive Streit
Der Schlüssel für eine konstruktive Konfliktklärung ist eine ehrliche, respektvolle Kommunikation ohne Vorwürfe, in der du selbst Verantwortung für dich, deine Emotionen, Bedürfnisse und Wünsche übernimmst. Dazu bedarf es Zweierlei: einmal, dass du deine Bedürfnisse kennst, spürst und zweitens erfordert es erheblichen Mut, sich mit seinen Bedürfnissen, ggf. Schwächen und „Schattenseiten“ zu zeigen bzw. diese auszusprechen. Wenn du es aber wagst, birgt es die Chance von tieferen Begegnungen, von mehr Verständnis füreinander und gegenseitiger Annahme. Raus aus dem Opfer – Täter Muster.

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg schlägt vier Schritte für eine (Streit-) Gesprächsstart vor:

    1. Beschreibe die Situation, die dich getriggert hat, aus deiner Sicht möglichst objektiv.
    2. Mache dir deine Gefühle, die die beschriebenen Situation in Dir ausgelöst hat, bewußt und drücke sie deinem Gesprächspartner gegenüber aus.
    3. Mache dir deine verletzten oder nicht erfüllten Bedürfnisse bewußt und kommuniziere sie deinem Gesprächspartner.
    4. Formuliere eine konkrete Bitte an deinen Gesprächspartner.

Nun kann dein Gesprächspartner seinerseits Stellung zu deinen Aussagen nehmen. Auch hier ist es wichtig, dass er (sie) von sich selbst spricht und keine Vorwürfe macht.
Im besten Fall könnt ihr einen neuen Umgang mit einer vergleichbaren Situation in der Zukunft vereinbaren. Bedenke, dass eine Bitte keine Forderung sein kann.
Durch einen konstruktiv gelösten Konflikt, durch die gezeigte Offenheit und Ehrlichkeit entsteht häufig mehr gegenseitiges Verständnis für - und Vertrauen zu dem Partner, eure Beziehung ist gewachsen.

Natürlich macht es einen großen Unterschied aus, in welchem Umfeld du streitest. Im beruflichen Umfeld solltest du mit der Preisgabe von persönlichen Informationen („Schwächen“, Schattenseiten) vorsichtiger sein als im privaten Umfeld. Hier besteht eine größere Gefahr, dass deine Informationen von deinem Kollegen oder deinem Chef später gegen dich genutzt werden.